Freimaurerei Hamburg · Geschichte

Großloge Hamburg

Großloge Hamburg – Ursprung, Geschichte und lebendiges Erbe

Die Freimaurerei in Hamburg hat eine Geschichte, die tief in die Aufklärung zurückreicht. Im Mittelpunkt dieser Geschichte steht eine Institution, die für fast anderthalb Jahrhunderte das freimaurerische Leben in Norddeutschland prägte: die Große Loge von Hamburg, kurz auch Großloge Hamburg genannt. Wer verstehen möchte, warum Hamburg bis heute einer der bedeutendsten Orte der deutschen Freimaurerei ist, kommt an ihr nicht vorbei.

Was war die Großloge Hamburg?

Die Große Loge von Hamburg war eine der acht anerkannten Freimaurer-Großlogen, die bis 1935 im Deutschen Reich bestanden. Sie wurde am 4. Februar 1811 gegründet – aus einem konkreten Anlass: Um zu verhindern, dass die Hamburger Logen unter die Kontrolle des französisch dominierten Grand Orient de France fielen, entschlossen sich die Brüder, eine eigene, unabhängige Dachorganisation zu gründen.

Ihr erster Großmeister war Johann Philipp Beckmann, Sekretär des Domkapitels. Ihm folgte ab 1814 Friedrich Ludwig Schröder – jener Ritualreformer, dem die deutsche Freimaurerei bis heute einen ihrer bedeutendsten Beiträge verdankt: das nach ihm benannte Schröder-Ritual, das auf den ursprünglichen englischen Ritualen basiert und sie zu einer vollständig überarbeiteten, eigenständigen Form weiterentwickelte.

Bei ihrer Gründung gehörten der Großloge Hamburg fünf Logen an: Absalom zu den 3 Nesseln (gegr. 1737), St. Georg zur grünenden Fichte (1743), Emanuel zur Maienblume (1774), Ferdinande Caroline zu den drei Sternen (1776) und Ferdinand zum Felsen (1787). Bis 1932 wuchs die Großloge auf 56 Logen mit rund 5.000 Brüdern.

Warum ist Hamburg der Geburtsort der deutschen Freimaurerei?

Hamburg trägt einen besonderen Titel: Hier wurde im Dezember 1737 die älteste Freimaurerloge Deutschlands gegründet. Die Loge Absalom zu den 3 Nesseln geht auf eine Gruppe von fünf Männern zurück, die sich in der Taverne d’Angleterre in der Großen Bäckerstraße zusammenfanden – darunter der spätere preußische Hofrat Charles Sarry und Baron Georg Wilhelm Ludwig von Oberg, der schon ein Jahr später den Kronprinzen Friedrich – den späteren Friedrich den Großen – in die Hamburger Loge aufnahm.

Bereits 1733 hatte der englische Großmeister, der Earl of Strathmore, elf deutschen Gentlemen in London das Patent zu einer Logengründung erteilt. Was aus diesem frühen Ansatz in Hamburg wurde, ist historisch nicht vollständig dokumentiert – die belegte Geschichte beginnt 1737.

Hamburg war als freie Handelsstadt ein Ort des offenen Austauschs, des toleranten Diskurses und der bürgerlichen Selbstorganisation. Genau diese Haltung hat die Freimaurerei von Beginn an geprägt.

Was machte die Großloge Hamburg besonders?

Unter den deutschen Großlogen nahm die Große Loge von Hamburg eine Sonderstellung ein – und das nicht nur wegen ihres Alters. Während alle anderen deutschen Großlogen 1935 ihre Arbeit einstellten oder sich auflösten, wählte die Großloge Hamburg einen anderen Weg: Sie verlegte ihren Sitz nach Valparaíso in Chile und arbeitete im Exil weiter.

Das war eine bewusste Entscheidung. Die Nationalsozialisten hatten das Logenhaus in der Hamburger Innenstadt Stein für Stein abreißen lassen – auf der Suche nach Beweisen für das angebliche „Freimaurerische Geheimnis“ oder für Landesverrat. Sie fanden nichts. Das Grundstück diente danach der Post als Parkplatz.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Großloge Hamburg an der erneuten „Lichteinbringung“ in Deutschland beteiligt – dem Wiederaufbau des freimaurerischen Lebens auf deutschem Boden. Sie etablierte sich jedoch nicht wieder als eigenständige Großloge, sondern ging in den neu gegründeten Vereinigten Großlogen von Deutschland auf. Formal aufgelöst wurde sie erst 1962.

Was ist heute von der Großloge Hamburg geblieben?

Das Erbe der Großloge Hamburg lebt weiter – vor allem in den sogenannten Vereinigten fünf Hamburgischen Logen, kurz „Die V5″ im heutigen Freimaurerjargon. Diese fünf Logen, die bereits zur Gründung der Großloge gehörten, wurden nach Kriegsende als Rechtsnachfolger bei der Hamburger Senatskanzlei eingetragen.

Ihnen gelang etwas Bemerkenswertes: Sie erwarben das Grundstück des 1935 zerstörten Logenhauses zurück. Seit 1971 steht in der Welckerstraße 8 wieder ein Logenhaus – heute im gemeinsamen Eigentum der Vereinigten fünf Hamburgischen Logen. Im Erdgeschoss finden die rituellen Arbeiten der V5 sowie weiterer rund 17 Hamburger Logen statt.

Auch das Freimaurerkrankenhaus, das seit 1795 in Hamburg besteht, geht auf Initiative der Brüder zurück, die später die Großloge gründeten. Aus ihm ist das Elisabeth Alten- und Pflegeheim der Freimaurer von 1795 geworden – ein greifbares Zeichen dafür, dass freimaurerisches Handeln nicht im Tempel endet.

Was bedeutet die Großloge Hamburg für heutige Freimaurer?

Geschichte ist in der Freimaurerei kein Selbstzweck. Sie ist Erinnerung an das, was trägt.

Die Großloge Hamburg steht für eine Freimaurerei, die sich auch in existenziellen Momenten nicht verbiegen ließ – weder durch politischen Druck noch durch Opportunismus. Sie stand für Unabhängigkeit, für das Festhalten an Überzeugungen auch dann, wenn es unbequem wurde.

Es bedeutet, einem Weg treu zu bleiben – auch wenn er ins Exil führt.

Diese Haltung ist kein historisches Relikt. Sie ist der Maßstab, an dem sich freimaurerisches Leben in Hamburg noch heute misst. Wer sich fragt, was es bedeutet, Freimaurer zu sein, findet in dieser Geschichte eine ehrliche Antwort.

Die Brückenbauer und das Erbe der Großloge Hamburg

Die Freimaurerloge Die Brückenbauer Nr. 806, gegründet am 4. Oktober 1958, arbeitet im selben Logenhaus in der Welckerstraße, das auf dem Grund des einstigen Hauses der Großloge Hamburg steht. Sie ist Teil jener lebendigen Gemeinschaft, die das Erbe der hamburgischen Freimaurerei trägt und weiterentwickelt.

Wer die regulären Freimaurerlogen in Hamburg kennenlernen möchte, findet im Logenfinder einen Überblick über alle aktiven Logen im Orient Hamburg.

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